Galerie Crystal Ball

How Does Passion Smell?

kuratiert von Claudia Christoffel

Die Ausstellung „How Does Passion Smell?“ ermöglicht vielfältige sinnliche Erfahrungen. Denn es geht um den Geruch der Leidenschaft. Die beteiligten Künstler:innen geben auf die titelgebende Frage konzeptuelle Antworten; olfaktorische, literarische, geschmackliche, die in der Ausstellung zu riechen, zu lesen und zu schmecken sind.

Claudia Christoffel (Bremen), Renée Cassidy (New York), Tanja Dückers (Berlin), Lydia Karstadt (Berlin)

Vernissage am 11. Juli um 19:00 Uhr 

mit einer essayistischen Lesung von Littopia – Kathrin Assauer (Dresden) und Silke Tobeler (Hamburg)

einer Kochperformance von Lydia Karstadt, der Erstveröffentlichung des Künstlerinbuches: HOW DOES PASSION SMELL? von Claudia Christoffel & der Präsentation ausgewählter Künstlerbuchpublikationen des Argobooks Verlags von Vanessa Adler (Berlin)

Die Ausstellung ist von Dienstag, den 14.7. 2026 bis Freitag, den 17.7.2026 von 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr und gerne nach telefonischer Vereinbarung (0174/ 3795167) geöffnet.

Der Mythos eines Mythos

48h Neukölln – 3.- 5. Juli 2026

Aoutch!, Erifyli Theofilou, 45 x 110 x 2 cm, 2026

Artists: Erifyli Theofilou, Valia Lolidou

Performers: Konstantina Kapnopoulou, Sara Mitouali , Yiota Chamamtzoglou

Fr. 3 Jul 2026, 19:00 – 24:00

Sa. 4 Jul 2026, 14:00 – 21:00, 20:00 Performance by Sara Mitouali

So. 5 Jul 2026, 12:00 -19:00, „108 +1 Reasons to Unweave“ Performance by Kapno & Yiota

„Der Mythos eines Mythos“ ist ein Projekt über Penelope, die Frau des Odysseus. Penelope gilt seit Jahrhunderten als zeitloses Symbol für Treue und Ausdauer. Traditionell wird sie als ideale Ehefrau dargestellt – als kluge Frau, die ihren Verstand ausschließlich dazu einsetzt, den Ruf ihres Mannes zu wahren. Während der langen Abwesenheit des Odysseus wehrt sie den Druck der Freier, sich erneut zu verheiraten, geschickt ab.

Aus einer zeitgenössischen feministischen Perspektive wird jedoch deutlich, dass Penelopes Mythos stets durch eine männlich geprägte Sichtweise erzählt wurde. Ob als Tochter ihres Vaters, Ehefrau ihres Mannes oder als Beute der Freier – Penelopes Identität und Eigenschaften wurden immer von anderen definiert. Ihre bekannte Routine, tagsüber zu weben und nachts ihre Arbeit wieder aufzutrennen, gilt seit langem als Inbegriff feministischer Symbolik. In der Penelope-Ausstellung hinterfragen wir jedoch, ob das Weben tatsächlich im Zentrum von Penelopes feministischer Identität stehen sollte.

Indem wir etablierte Interpretationen hinterfragen und die Geschichte aus einer neuen Perspektive betrachten, stellen wir die Idee in den Mittelpunkt, dass das Weben vor allem eine kluge Strategie war, um Zeit verstreichen zu lassen. Nach unserer Interpretation hat Penelope bereits Frieden und Erleichterung gefunden, indem sie akzeptiert hat, dass ihr Mann niemals zurückkehren wird. Was für sie nun zählt, ist, diese Taktik zu nutzen, um die Zeit zu ihrem Vorteil arbeiten zu lassen. Im Laufe der Jahre befreit sie sich von der Rolle der ewig wartenden Ehefrau, auch wenn sie durch ihr Älterwerden für die Freier an Attraktivität verliert. Doch was wäre, wenn Odysseus genau in dem Moment zurückkehren würde, in dem sie beginnt, ihre Freiheit zu ergreifen?

Durch das kuratorische Konzept von Penelope wird ihre Geschichte neu erzählt – diesmal vor dem komplexen, vielschichtigen Hintergrund von Neukölln. Die Ausstellung vereint verschiedene Medien und Materialien: Installationen, Textilkunst, Mixed-Media-Arbeiten, fotografische Arbeiten, Videoinstallationen und Performancekunst. Materialien mit hautähnlicher Beschaffenheit wie Latex, Silikon sowie genähte Textilien und Haare werden verwendet, um die Verwandlung und die Freiheit hervorzuheben, die Penelope im Laufe der Zeit erlangt.

Insbesondere Latex und Silikon wurden aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit menschlicher Haut ausgewählt. Obwohl diese „Haut“ widerstandsfähig bleibt, ist sie keineswegs unveränderlich – sie altert, verändert sich und entwickelt sich weiter. Genau diese Veränderung steht im Zentrum ihrer feministischen Erfahrung und offenbart den Lauf der Zeit an ihrem Körper – einen Lauf, den sie aktiv begrüßt. Mit zunehmendem Alter distanziert sie sich von den Männern, die sie einst definierten, und wird für diejenigen unattraktiv, die ausschließlich jugendliche Haut und Schönheit schätzen.

Das Projekt wird neben Gemeinschaftswerken auch Einzelarbeiten verschiedener Künstlerinnen präsentieren, wobei der Schwerpunkt auf neuen Kreationen liegt. Die Schaffensphase endet mit einem gemeinsamen Werk namens „Penelope“, an dem alle beteiligten Künstlerinnen mitwirken werden. Dieses Werk wird aus einer großen Silikonplatte bestehen. Während der Produktion wird jede teilnehmende Künstlerin das Werk einen Tag lang bei sich tragen, es in ihren Alltag integrieren und sich damit durch das Neuköllner Stadtviertel bewegen, wodurch es nach und nach dauerhaft verändert wird.

Das Kunstwerk wird mit dem Alltag in Neukölln interagieren – sei es als Duschmatte, bei einem Besuch in der örtlichen Änderungsschneiderei oder eingeklemmt zwischen den U-Bahn-Türen am Hermannplatz. So fließt die Beschaffenheit des Viertels unmittelbar in das Werk ein. Dieser sich entwickelnde Prozess sowie die neue Identität, die das Kunstwerk dabei annimmt, werden mittels Polaroid-Fotografien dokumentiert. Die Spuren auf seiner „Haut“ werden zudem in einer Videoinstallation festgehalten, die die Geräusche alltäglicher Momente in Neukölln hervorhebt.

Das Projekt gipfelt in einer abschließenden Performance während der Finissage des Festivals, bei der die Haut in einem rituellen Kontext präsentiert wird. „The Myth of a Myth“ greift den Mythos von Penelope erneut auf und erzählt eine bekannte Geschichte aus einem anderen Blickwinkel – aus einer feministischen Perspektive, die das bereits Bekannte neu definiert. Es geht nicht um die Rückkehr zur Erinnerung an einen längst verlorenen Ehemann, sondern um die Wiedergeburt einer selbstbestimmten Penelope. Sie braucht Odysseus’ Rückkehr nicht mehr; sie sucht keinen Retter mehr. Sie ist bereit, ihr Leben allein weiterzuführen, die um sie herum errichteten Mauern einzureißen und in das Unbekannte der Außenwelt zu treten, um sich von ihr neu formen zu lassen.

No Future Future!

Thematische Gruppenausstellung, Kuratorin: Lydia Karstadt

Claudia Christoffel, Stefan Demming, Veronika Dobers, Brezel Göring, Manfred Kirschner, Kirsty Kross, Gabriele Regiert und Ole Wulfers

Eröffnung am Sa. 30. Mai, um 19 Uhr mit Performance von Brezel Göring: Feier für eine sehr schmutzige und demolierte Zukunft

Weitere Performances am Sa. 6. Juni um 19 Uhr, Kirsty Kross: Greige Rage

und Samstag 20. Juni um 19 Uhr, Veronika Dobers: Gesang des Großen Enttäuschten

Ausstellung bis So. 28. Juni 2026,

geöffnet: donnerstags, 14-19 Uhr und gerne nach Vereinbarung und zu den Veranstaltungen (siehe Ankündigung)

Die Ausstellung ist darüber hinaus zu wechselnden Zeiten zufällig geöffnet.

No Future Future, Lydia Karstadt 2021

„No Future Future!“

Die Ausstellung untersucht in einer Feldforschung, künstlerische Reflektion von aktuellen Zukunftsängsten und Stimmungen in diskursiver Form in einem Ausstellungssalon. Die mit der New Wave/ Punk Parole „No Future“ verbundenen, persönlichen wie künstlerischen Wirkungen in der Jetzt-Zeit.

Die in den frühen 80ger Jahren populäre Parole der Gegenkultur; „No Future!“ war ein
provozierendes Statement des Punks. Ihre seherische Warnung hat sich jetzt, in den ersten
Jahren des neuen Jahrtausends gezeigt. Die in wissenschaftlichen Voraussagen benann-
ten Problemkomplexe; der Umweltverschmutzung, des fortschreitenden Artensterbens,
der Überbevölkerung und der aggressiven Ausbeutung des Planeten bestehen unver-
ändert oder haben durch den Klimawandel und die Rückkopplung dynamischer Prozes-
se wie zum Beispiel dem Eis-Albedo- Effekt eine drastische Dringlichkeit erreicht. Neue
Regierungen und autokratische Herscher scheinen das Wissen und die Erkenntnis dieser
bedrohlichen Probleme einfach auszublenden. Zudem sind wir durch zahlreiche Konflik-
te und Kriege bedroht. Der Glaube an ein Umdenken, ein solidarisches Einlenken einer
zusammen agierenden Welt Gemeinschaft zur Rettung unserer Biosphäre erscheint ange-
sichts von Kriegen und weiteren Konflikten immer unrealistischer.
Im Vorstellungsbereich der Assoziationen des „No Future“ evozieren sich vielfältige Szena-
rien, eines Unterganges, durch Kriege und/oder dem Zusammenbruch der Ökosysteme,
die eine Zukunft der Menschheit beenden wird. Die Worte erscheinen damit plötzlich in
erschreckender, unerwarteter Weise vollkommen realistisch.
Wir möchten im gleichnamigen Ausstellungssalon untersuchen mit welchen Vorstellun-
gen und Strategien aktuelle Positionen von Künstler:innen in Hinblick auf diese Zukunfts-
bilder reagieren und arbeiten. Welche Vorstellungen haben wir von unserer Zukunft? Was
können wir in der Kunst tun? Wie zeigt sich der Wunsch nach Veränderung? Wie kann
künstlerische Arbeit der Problematik begegnen? Durch Aktionen und interaktive Perfor-
mances werden die Vorstellungen der Besucher:innen reflexiver Teil der Ausstellung.

Unterstützt mit Mitteln des Projektfonds Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin

Make Wool not War!

  • Eröffnung am Sa. 18. April 2026 um 18 Uhr

geöffnet: Freitags 15 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung

  • Fr. 8. Mai um 18 Uhr, „Die Karl Liebknecht-Performance“, Lecture von Manfred Kirschner und „Revolutionär*innen – damals und heute. Laut und Sichtbar! FEMINIS-MUSS!!!“ Lecture von BeaF.
  • So. 17. Mai, um 16 Uhr Finissage mit „Torte und Musik“


mit: Julianne Cordray, ChariZoe la Mar, Künstler:innen des Gretl.Wand Projektes, Manfred Kirschner, Jürgen Rudy, Erifyli Theofilou, Chris Zschaber und weiteren

Der Ausstellungsraum Crystal Ball hat über die Jahre schon in vielen Präsentationen und damit verbundenen Performances dem Material Wolle und dessen niedrigschwelligen Gestaltungsaspekten Raum gegeben. Sei es in der von Monika Müller Kroll entwickelten Modenschau, in der sie Couture aus den aus Industriefäden recycelten Wollarbeiten ihrer Großmutter genäht hat. Oder der einem Faden gleich, schier endlosen Häkelbildserie von Astrid Küver, den wunderbaren dreidimensionalen Häkelportraits berühmter Pop-Stars von Francoise Cactus oder auch den raumgreifenden Strickmalereien auf dem Wänden des Ausstellungsraumes von Elke Graalfs.
Wolle ist ein günstiges Basis-Material, dessen niedrigschwellige vielfältige Gestaltungsmöglichkeit Profis und Laien anzieht. Mag sein das die große Wollewelle vorbei zu sein scheint, trotzdessen leuchtet die politische Wollarbeit als neuer persönlicher, wie sozialgesellschaftlicher Impuls heraus. Und auch die abstrakten, organisch konzipierten Arbeiten von Jürgen Rudy nehmen einen besonderen Stellenwert ein.

So gibt es in der Konzeption die von Zoe la Mar über Jahre kuratierte Ausstellungsreihe der „Gretl-
Wand“ zu entdecken, die wiederum von knapp 39 Künstler:innen produzierten Arbeiten in drei Woll-Friesen zusammenbringt und an den drei Wänden des Ausstellungsraumes reinstalliert werden soll.
Ergänzt wird der zärtlich politische Wollraum durch den „Kunsttheorieuntersetzer“* einem
überdimensionalen Topflappen einer Wollarbeit in Progress, von Manfred Kirschner, der dazu dient,
Menschen zusammenzubringen und Platz zu geben.
(* die „Kunsttheorieuntersetzer“ sind eine Serie von gehäkelzeichneten Arbeiten, deren Aufgabe es ist als künstlerisches „Produkt“ Raum für Interpretationen, Deutungen und Theorien zu bieten und somit als „selbstbewusstes“ Kunstwerk über Kunst und ihre gesellschaftliche und kommerzielle Funktion zu referieren.)
Dieser konstruierte, bunte, poppige „Häkelraum“ der Meinungen, Parolen und Friedensrufe wird ein
pazifistischer und gemütlicher Ruheraum mit Kissen und Decken und Büchern. Komplettiert wird der Raum aus Wolle mit den außergewöhnlichen, faszinierenden Arbeiten von Jürgen Rudy, der in einer unbefangenen Freiheit Häkel- und Strickbilder, Umhänge, Kleider und Objekte kreiert hat, die ihresgleichen suchen. Die Arbeiten des Künstlers entstehen mit seiner kraftvollen Intuition, die im organischen Schaffensprozess schon eine vielfältige Wandlungsfähigkeit einschreibt und sie so, zu medial übergreifenden Kunstwerken werden lässt. In einem Video wird der Künstler in einer Performance mit seinen Arbeiten zu sehen sein.


Neben dieser Funktion als Kontemplations-, Leseraum und Safe-Space spiegeln die in ihm gehäkelten Slogans auch in historischer Gegenüberstellung Parolen aus den Wort- und Bildbeiträgen der
geplanten Vorträge zum 1. Mai, die wir in Lecture-Performances zusammenbringen. Zum Beispiel die Rufe auf dem Potsdamer Platz von Karl Liebknecht am 1. Mai 1916: „Nieder mit dem Krieg!“,
für die er verhaftet wurde, entwickeln eine zeitliche, aktuelle Dimension mit der Bedrohung durch Krieg und territorialer Aneignung der aktuellen politischen Weltlage. Das vorangegangene Zitat ist Teil der „Karl
Liebknecht-Performance“ einer Lecture von Manfred Kirschner, über eben jene historische Demonstration und dem später geplanten Liebknecht Denkmal und seinem einzig realisierten und historisch umkämpften Denkmalssockel am Potsdamer Platz.

Der zärtliche, politische Häkelraum bietet außerdem Bücher zum anschauen und vorlesen. Elektronische Medien sind ebenso erlaubt, sollen aber nicht im Vordergrund stehen. Es gibt außerdem die Möglichkeit sich aktiv, häkelnd in den Raum einzuschreiben, indem die Besucher:innen selbst handarbeiten und die Installation durch ihre Arbeit weiterentwickeln. Dazu werden Wolle und Strick- und Häkelnadeln gestellt.
Crystal Ball versteht sich im Projekt als Raum, der die Vermittlung und den Diskurs kulturhistorischer Geschichte im Kontext der Friedens- und Arbeiterbewegung miteinander verbindet, historische Szenarien der Weltgeschichte in ihrer persönlichen Dimension reflektiert und dabei einen Ort der Ruhe, Meditation und Bildung schafft, um Menschen in friedlicher Kommunikation zusammenzubringen und neue Verbindungen, Synergien sowie Perspektiven für zu ermöglichen.

Die Gretl.Wand: Künstler:innen: @8arms2hug @amistreetart @bri_libre @caliaf_art @cherrybombs @crochetflambe @curioussleuth @ednitalandia @fasermacka @gualacrafts @fraujuleskunst @haekelbar @haitchchamp @hanikmec @hellothemushroom @hmsartphoto @kernmyrtle @kim.laidler@la.leti__ @linlinschoen @littlenuggetworkshop @loewenzahm1luzie @maddowhousestudios @madebyelli @margaremelmonitor79 @myrjamiart @nadelhexe_sigena @naitrose @rosesagainstviolence @saramin_haekeldesign @stitch.a.smile @stricktdagegensy @tueph_li @vihiria @welshwand @yarn_vadalette @yarnagainstpatriarchy

Best before End – Manfred Kirschner

bis So.12. April 2025

Arbiträr und nach Absprache geöffnet

Regenbogen, 40 x 30 cm, Acryl/ Papier auf Leinwand, 2025

„Best before End“ zeigt eine Ausstellung an ihrem letzten Tag, die eigentlich nur aus ihrer Finissage besteht. Manfred Kirschner zeigt eine konzeptuelle Serie von neuen Arbeiten auf Leinwand die in spezifischer und reduzierter Weise Malerei mit Collage verbinden. Dabei handelt es sich außerdem um bereits schon einmal benutztes Rahmenholz eines Kollegen oder auch Second- Hand Bildern von anderen Künstler:innen und Hobbymaler:innen die Kirschner gefunden, oder bei Nachbarschaft.de für wenig Geld erstanden hat. Vor allem die Schwierigkeiten der Gestaltungsweisen, die die teils ungelenken kreativen Versuche der Vorgänger aufwerfen, entwickeln laut dem Künstler in einer besonderen Challenge außergewöhnliche Ergebnisse. Über diese inkorporierten Fremdeinwirkungen erfreut, scheint diese Strategie der Wiederverwendung äußerst lohnenswert, entwirft sie zudem auch eine nachhaltige Praxis und Umdeutung künstlerischer Ressourcen. Lydia Karstadt die diese Schau kuratiert hat, nennt die Galerie Crystal Ball deshalb nun auch ab sofort: „Sustainable Gallery“. 

Die aktuelle Werkserie von Manfred Kirschner untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Malerei und Collage in einer bewusst reduzierten Bildsprache. Im Zentrum steht eine prozesshafte Auseinandersetzung, in der gestischer Farbauftrag auf druckgrafische Reproduktionen trifft und deren visuelle Logiken miteinander verschränkt.

Die Arbeiten thematisieren grundlegende Mechanismen menschlicher Wahrnehmung: Der sensorische Ordnungssinn tendiert dazu, abstrakte Farbräume als Landschaften, Atmosphären oder situative Kontexte zu lesen, sobald figurative Elemente – Personen, Objekte oder Zeichen – in ihnen erscheinen. Diese kognitive Disposition, die auf Orientierung und Sicherheit ausgerichtet ist, bildet die Grundlage der Bildorganisation.

Kirschner nutzt dieses Wahrnehmungsmuster als produktive Irritation. Indem abstrakte und figurative Elemente gezielt in Beziehung gesetzt werden, entstehen Bildräume, die zwischen Lesbarkeit und Ambivalenz oszillieren. Die vermeintliche Kohärenz des Gesehenen wird dabei unterlaufen: Absurd anmutende Konstellationen entfalten eine eigentümliche Plausibilität, während zugleich Brüche und Verschiebungen sichtbar bleiben.

Exemplarisch zeigt sich dies in Arbeiten, in denen ein isoliertes vegetatives Detail – etwa ein einzelner Pilz im Vordergrund – auf eine durch grobe, expressive Pinselgesten strukturierte, apokalyptisch wirkende Szenerie trifft, in der ein militärisches Fahrzeug erscheint. Zufällige malerische Setzungen kippen dabei in semantische Lesbarkeit und werden als Explosionen oder Ereignisse interpretiert.

Im Zentrum steht ein Bildverständnis, das sich im Prozess zugleich konstituiert und destabilisiert. Abstraktion und Figuration treten nicht als Gegensätze auf, sondern als ineinander übergehende Zustände, die an den Grenzen visueller Akzeptanz operieren. In dieser Schwebe entfaltet sich ein Bildraum, der Wahrnehmung nicht bestätigt, sondern befragt.

Die Arbeiten lassen sich so als präzise Setzungen innerhalb einer gegenwärtigen Reflexion über Bildwahrheit lesen: als Versuchsanordnungen, in denen sich die Bedingungen des Sehens selbst zur Disposition stellen. 

Performanceabend mit den Zugvögeln: Klappschiebetür und Evita Emersleben: Kussmundportrait- Performance

Performances am So. 14. Dezember um 19 Uhr

Die Zugvögel im MP43 in Marzahn-Hellersdorf/ Foto: Carola Rümper, 2025

Zugvögel – Klappschiebetür

Ein Manifest für die Flüchtigkeit des Moments

Monsieur Szenario erzählt: Keine Bühne. Ein Raum. Keine feste Struktur. Geräusche, Bewegungen, Licht – alles ist in Bewegung. Die Klappschiebetür ist ein Gedanke. Ein Rhythmus. Eine Frage. Die Tür klappert, weil sie fliegen will. Zugvögel haben keine Türen. Zugvögel sind Türen, die fliegen.
Ein Körper tritt ein, ein anderer hinaus. Auf und Zu. Als wäre sie ein Pendel zwischen zwei Dimensionen. Die Tür ist ein Exil, sie ist der ständige Wechsel von Innen und Außen. Die Tür gibt es nicht, sie ist der Wind. Der Wind fragt nach dem Weg. Wir sagen nichts. Zugvögel fliegen durch die Tür. Aber es gibt keine Tür. Wir sind alle die Tür. Freiheit? Was ist Freiheit? Ein Konzept, das wir in uns tragen, ohne es je wirklich zu wissen. Warum sind wir hier? Wir sind da, weil wir in der Luft hängen und das Gewicht des Bodens tragen. Die Schiebetür klappert wie ein Herz, das uns schlagen kann. Ein Moment, der zu lang wird. Wird die Tür jemals geschlossen? Nein. Aber ist der Moment des Bruchs nicht auch ein neuer Beginn? Vielleicht.
In diesem Augenblick sind wir alle die Zugvögel in der Unbestimmtheit des Moments. Es gibt keine Struktur, keine Linie – nur die Bewegung. Die Türe fließt in uns wie ein Strom, der nie aufhört, sich zu bewegen. Das Fließen der Türe – das Fließen der Gedanken – das Fließen des Lebens.

Evita Emersleben: Kussportrait Performance, Bremen 2025

Evita Emersleben – Kussmundportrait Performance

Evita Emersleben, die in und mit ihren Kussmundportrait Performances schon viele Bremer Künstler:innen abgebildet hat, wird an diesem Abend einen/ eine Besucher: in portraitieren. Dabei setzt sie allein mit ihrem geschminkten Mund rot gefärbte Küsse auf das Papier und entwickelt so in ihrer erstaunlichen Technik ein Portrait der Person aus den Abdrücken ihres Mundes. Ein Kussmunddruck entsteht.

Four Floors! Schellack Baby

Sonntag, 7. Dezember ab 17:30 Uhr

Mit Gina D´Orio, Lothar Wiese, DJ MegaOhm und Lydia Karstadt

Am 7. Dezember verwandelt sich Crystal Ball in eine liebevolle Salon-Großraumdiskothek der besonderen Art. Verschiedene illustre Discjockeys nutzen den Salon, das Schaufenster, die Küche und das Kabinett um ihre besondere Schätze, über die sie sich auch noch ausgezeichnet auskennen, auf die Plattenteller und das Grammophon zu legen. An diesem Abend sind ausschließlich Schellackplatten die Tonträger. Wir freuen uns auf eine vielfältige historische Diskothek der Tondokumente. Auf den verschiedenen Floors darf mitgesungen und getanzt werden.

Manfred Kirschner: Berlin à Gogo – Prosaische Schublade, Buchpremiere und Leseperformance

Freitag, 19. September um 18 Uhr, bei freundlichem Wetter am Zickenplatz (bei Regen in der Galerie) mit anschließender Buchparty c/o Crystal Ball mit DJ Kollagen

Der lang erwartete Mittelteil der Bildroman-Serie um den Künstler Harald Baumeister und seine Freund:innen Rita, Kurt und Ytong führt uns nach Berlin und Niedersachsen. Kirschners dritte Collage-Geschichte ist ein queerer Science-Fiction-Kunstroman, garniert mit Architekturkritik, dem 80er-Jahre-Berlin – und der Frage, wie man mit einer Schneekugel durch die Zeit reisen kann. Mit großer Erzählfreude entfaltet sich eine turbulente Geschichte über Verlust, Verwandlung und die heilende Kraft der Leichtigkeit.
Manfred Kirschner, aka Lydia Karstadt, kreiert Collagen, Malerei und Performances – und lässt uns hier erneut in seine vielschichtige Wort- und Bildwelt eintauchen. Mit Fußnoten fügt der Autor eine weitere Ebene hinzu, über die sich historische Stadtgeschichte und populäres Wissen mit der Prosa verbinden. Wir erfahren viel über Berlin, über wilde Kunstproduktion sowie über Freundschaft und jene heilsame Leichtigkeit, die im menschlichen Zusammensein aufscheint oder sich in der Lust an der Gegenwärtigkeit entfaltet. Dabei verdoppeln sich im Buch die Objekte mit den Geschehnissen: Denn wir alle begegnen einander mindestens zweimal. Beim ersten Mal wissen wir vielleicht noch nichts voneinander, und beim zweiten Mal glauben wir, uns in- und auswendig zu kennen – ohne sagen zu können, warum.

Die Publikation wurde mit Mitteln der VG Bildkunst/ Neustart Kultur gefördert und hat 2023 das Stipendium; Künstlerische Recherche des Berliner Senats erhalten.

Boris Jöns – Tanz in die Meinung

Am Sonnabend, 3. Mai. Vor und in der Galerie Crystal Ball, Schönleinstr. 7, Beginn: 19:00 Uhr

Boris Jöns/ Lydia Karstadt: Tanz in die Meinung

Erstaunlich passend zum diesjährigen, schon legendären Sellerie Weekend zeigt Crystal Ball ein besonderes Special: Der Künstler Boris Jöns hat die Meinung als nachhaltige Ressource entdeckt. Mit seinem innovativen Diskurs-Plugin kann er aus gesammelten Kommentaren und Ansichten der Passanten und Besucher:innen das enthaltene Energiepotenzial gewinnen und dieses in Echtzeit in Sounds und Musik umwandeln.

Mit der komplexen interaktiven Klangperformance und Kunstaktion Tanz in die Meinung schließt gleichzeitig die nutzbare Ausstellung „Room With A Viewer“. Besucher*innen können mit ihren Smartphones Textkommentare zu aktuell anliegenden Themen eingeben oder in ein Mikrophon sprechen. Ein dafür entwickeltes Sprachmodell erkennt fünf Sprechakte, die unterschiedliche musikalische Impulse auslösen. Ein Team von Meinungssekretär:innen (Boris Jöns, Lydia Karstadt und Stefan Ruf) assistiert und befeuert die Transformation von Meinungen in Musik.

Boris Jöns´ lustvoll ironische Kunstaktion erscheint angesichts weltweiter Krisen vielleicht unpassend, spricht sie jedoch von dem kritischen Verhältnis einzelner differenzierter Ansichten in einem von Populismus geprägten gesellschaftlichen Schlagabtausch, in der die einzelne Meinung immer kritischer und wertloser scheint. Der Künstler deutet genau da auf die enthaltene Energie, die nicht mehr ungenutzt verpufft sondern im Zusammenspiel der Äußerungen, einer Nutzbarmachung, zu einer sozialen Plastik, ein neues Miteinander der beteiligten Menschen entwickelt.

Mit dem Beginn der Veranstaltung wird auch gleichzeitig die Tanzfläche im Kunst-Hotelzimmer eröffnet. Wir freuen uns über zahlreichen Besuch!

Room With A Viewer – the art of a night´s stay

Crystal Ball verwandelt sich in ein Kunsthotelzimmer

Eröffnung am Freitag, 21. Februar 2025 um 19 Uhr

22. Februar bis 4. Mai 2025

Thomas Behling – Evita Emersleben – Tornike Gognadze – Elke Graalfs – Maike Häusling – Boris Jöns – Eva Kim – Manfred Kirschner – Abir Kobeissi – Christina Paetsch – Gabriele Regiert – Rebecca Rothenborg – Veronika Schumacher – Silke Thoss – Oliver Voigt – Barbara Wagner – Ole Wulfers

Das Projekt „Room With A Viewer – the art of a night´s stay“, kuratiert von Julia Psilitelis (Frankfurt am Main) und Lydia Karstadt (Berlin), ist eine experimentelle, benutzbare Ausstellungspräsentation. Siebzehn Künstler:innen möblieren darin im Ausstellungsraum ein Gäste- oder Hotelzimmer, welches für Übernachtungen gebucht werden kann. Jedes Einrichtungsstück des Interieurs ist von einer der Künstler:innen gestaltet worden und komplettiert das Gästezimmer. Die Kunstwerke, die im Kontext zueinander gesetzt zu den Öffnungszeiten der Galerie eine Gruppenausstellung, später andererseits ein Zimmer; eine Übernachtungsmöglichkeit darstellen, wurden zum großen Teil eigens für das Projekt kreiert.

Diese ambivalente Konzeption setzt sich in den thematischen Aspekten des Projektes fort. Die Ausstellung untersucht zum einen als soziologisches Experiment wie es ist, in einer Kunstinstallation zu übernachten. Zum anderen klagt sie die prekäre Wohnungsnot Berlins in einem, durch den Senat unkontrollierten Mietenwahnsinn dominierten Wohnungsmarkt an.

Das Projekt deutet außerdem auf die aktuellen, drastischen Kürzungen im Kulturbereich, indem es ironisch vorführt wozu Ausstellungsräume künftig benutzt werden und Künstler:innen, nach Meinung der aktuellen Politik, ein Auskommen finden können.

Die Ausstellung ist nach kurzer Anmeldung und zu unseren Veranstaltungen kostenfrei geöffnet.

Erleben Sie eine ganz außergewöhnliche Erfahrung und übernachten Sie in der Ausstellung im Berliner Galerieraum Crystal Ball! Sie können schon jetzt über den Galeriekontakt eine Übernachtung buchen.

Die Erlöse der Übernachtungen kommen der Galerie und den Künstler:innen zugute.

Die Ausstellung ist nach Vereinbarung und zu unseren Veranstaltungen zu sehen. Der Besuch ist natürlich kostenlos.

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

Übernachtung, So-Fr, je Nacht 120,-€

Übernachtung, je Nacht, Fr-So 150,-€

Übernachtung, mit vegetarischem Frühstück (10- 12 Uhr) 140,-€/ 170,-€

berlin@galeriecrystalball.de, Tel: 0049 30 600 52 828

Crystal Ball Berlin