Galerie Crystal Ball

Best before End – Manfred Kirschner

bis So.12. April 2025

Arbiträr und nach Absprache geöffnet

Regenbogen, 40 x 30 cm, Acryl/ Papier auf Leinwand, 2025

„Best before End“ zeigt eine Ausstellung an ihrem letzten Tag, die eigentlich nur aus ihrer Finissage besteht. Manfred Kirschner zeigt eine konzeptuelle Serie von neuen Arbeiten auf Leinwand die in spezifischer und reduzierter Weise Malerei mit Collage verbinden. Dabei handelt es sich außerdem um bereits schon einmal benutztes Rahmenholz eines Kollegen oder auch Second- Hand Bildern von anderen Künstler:innen und Hobbymaler:innen die Kirschner gefunden, oder bei Nachbarschaft.de für wenig Geld erstanden hat. Vor allem die Schwierigkeiten der Gestaltungsweisen, die die teils ungelenken kreativen Versuche der Vorgänger aufwerfen, entwickeln laut dem Künstler in einer besonderen Challenge außergewöhnliche Ergebnisse. Über diese inkorporierten Fremdeinwirkungen erfreut, scheint diese Strategie der Wiederverwendung äußerst lohnenswert, entwirft sie zudem auch eine nachhaltige Praxis und Umdeutung künstlerischer Ressourcen. Lydia Karstadt die diese Schau kuratiert hat, nennt die Galerie Crystal Ball deshalb nun auch ab sofort: „Sustainable Gallery“. 

Die aktuelle Werkserie von Manfred Kirschner untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Malerei und Collage in einer bewusst reduzierten Bildsprache. Im Zentrum steht eine prozesshafte Auseinandersetzung, in der gestischer Farbauftrag auf druckgrafische Reproduktionen trifft und deren visuelle Logiken miteinander verschränkt.

Die Arbeiten thematisieren grundlegende Mechanismen menschlicher Wahrnehmung: Der sensorische Ordnungssinn tendiert dazu, abstrakte Farbräume als Landschaften, Atmosphären oder situative Kontexte zu lesen, sobald figurative Elemente – Personen, Objekte oder Zeichen – in ihnen erscheinen. Diese kognitive Disposition, die auf Orientierung und Sicherheit ausgerichtet ist, bildet die Grundlage der Bildorganisation.

Kirschner nutzt dieses Wahrnehmungsmuster als produktive Irritation. Indem abstrakte und figurative Elemente gezielt in Beziehung gesetzt werden, entstehen Bildräume, die zwischen Lesbarkeit und Ambivalenz oszillieren. Die vermeintliche Kohärenz des Gesehenen wird dabei unterlaufen: Absurd anmutende Konstellationen entfalten eine eigentümliche Plausibilität, während zugleich Brüche und Verschiebungen sichtbar bleiben.

Exemplarisch zeigt sich dies in Arbeiten, in denen ein isoliertes vegetatives Detail – etwa ein einzelner Pilz im Vordergrund – auf eine durch grobe, expressive Pinselgesten strukturierte, apokalyptisch wirkende Szenerie trifft, in der ein militärisches Fahrzeug erscheint. Zufällige malerische Setzungen kippen dabei in semantische Lesbarkeit und werden als Explosionen oder Ereignisse interpretiert.

Im Zentrum steht ein Bildverständnis, das sich im Prozess zugleich konstituiert und destabilisiert. Abstraktion und Figuration treten nicht als Gegensätze auf, sondern als ineinander übergehende Zustände, die an den Grenzen visueller Akzeptanz operieren. In dieser Schwebe entfaltet sich ein Bildraum, der Wahrnehmung nicht bestätigt, sondern befragt.

Die Arbeiten lassen sich so als präzise Setzungen innerhalb einer gegenwärtigen Reflexion über Bildwahrheit lesen: als Versuchsanordnungen, in denen sich die Bedingungen des Sehens selbst zur Disposition stellen. 

Crystal Ball Berlin